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Auch das Leben im Ruhestand will gelernt sein
Spielleiter
Karl Pröpstl hatte für die Novemberaufführungen der Theatergruppe Kürn
wieder ein Bühnenwerk der Autorin Ulla Kling ausgesucht. Gerne stellt sie
Begebenheiten aus dem Alltag unseres Lebens in den Mittelpunkt ihrer Stücke.
Dieses Mal wurden zwei Familien mit dem Vorruhestand der Ehemänner bzw. Väter
konfrontiert. Das Stück ist nicht unbedingt spannungsgeladen, aber die Dialoge
und Szenen sind aus dem Leben gegriffen und regen zum Nachdenken, aber auch zum
Schmunzeln und Lachen an. Der Eintritt in den Vorruhestand der beiden Freunde Martin Dengler (Franz Voith) und Rudolf Eichinger (Christian Kalesse) wird im Familienkreis natürlich gebührend gefeiert, haben doch beide die Schnauze voll von der Arbeit und vom Betrieb. Bei der Feier freuen sich Martins Frau Rosa (Sandra Karl) und Rudolfs bessere Hälfte Clara (Manuela Kalesse) über die gemeinsame Zeit und sie schmieden fleißig Pläne von gemeinsamen Radwanderungen bis hin zu einer Kreuzfahrt in die Karibik. Die beiden Kinder Marlies (Elisabeth Zitzelsberger) und Albert (Daniel Liebl) spielten zwar von Kindesbeinen an miteinander, zurzeit jedoch sind sie sich nicht grün und sie giften sich gegenseitig an. Die Nachbarin Betti Haberl (Eva Gottmeier) stört immer wieder; denn sie „steht“ auf Martin und benötigt immer wieder seine handwerklichen Fähigkeiten. Opa Dengler (Peter Scheubeck) bringt mit seinen Ruhestandsregeln „Nur nix g’falln lass’n!“ etwas Unruhe in die Feierstunde. Aus den hochfliegenden Plänen wird natürlich nichts. Martin muss sich vom psychischen und physischen Stress des Arbeitslebens erholen und verbringt seit Wochen jeden Tag in liegender Stellung bekleidet mit einem Jogging-Anzug. Als sich seine Frau Rosa beschwert, mischt er sich lautstark in die Haushaltsführung ein: Das Bügelbrett ist nicht aufgeräumt und die Mülltrennung funktioniert überhaupt nicht. Es kommt zum Streit. In
der anderen Familie passiert das Gegenteil. Rudolf, der im ersten Akt getönt
hatte, dass er vom Betrieb
die Schnauze voll habe, steht jeden Tag auf und geht in sein Büro; denn sein
Nachfolger macht natürlich alles falsch.
Die beiden Ehefrauen sind
verzweifelt und so greifen sie zum letzten Mittel, sie lassen die beiden Männer
alleine. Diese
merken natürlich auch bald, dass es so nicht weiter gehen kann. Sie brauchen
wieder eine Aufgabe. Diese kommt in Form einer Erbschaft, die Rudolf macht. Eine
Hütte an einem See muss wieder auf Vordermann gebracht
werden und sein Freund Martin soll dabei helfen. So wendet sich doch noch alles
zum Guten; denn die Ehefrauen, zurück von der Schönheitsfarm, werden natürlich
voll eingebunden. Die beiden Kinder kommen sich auch etwas näher, sie gehen
schon mal zusammen ins Kino, ob sie sich jedoch "kriegen", bleibt
offen bzw. der Phantasie der Zuschauer überlassen. Die Nachbarin Betti Haberl
wendet sich von Martin ab und mehr dem Opa zu, der aber eine zu enge Bindung
scheut, so dass auch bei diesen beiden alles in der Schwebe bleibt. Auf jeden
Fall ist bei beiden Familien der Friede eingekehrt und der Ruhestand ist
gerettet. Bei
den Zuschauern war immer wieder zu merken, dass sie Parallelen zu ihrem eigenen
Leben zogen und so manche Übereinstimmung feststellen konnten. Die
Spieler zeigten in jeder Szene, dass sie sich voll mit den Rollen
identifizierten und mit Lust und Liebe bei der Sache waren. Auch Daniel Liebl,
der das erste Mal dabei war; fügte sich gut ein und bewies Talent. Alle boten
wiederum eine hervorragende Leistung, die mit lang anhaltendem Beifall der
Zuschauer belohnt wurde. Als
Souffleuse war wie immer Toni Gottmeier im Einsatz. Für die Maske sorgte Uli
Cipcer zusammen mit Monika Wolf und Gitta Royes. Für einen reibungslosen Ablauf
des Stückes garantierte hinter der Bühne Renate Hecht. Stefan Mahlke kümmerte
sich um die nötigen Geräusche und nahm das Stück mit drei Kameras auf. Nach
der letzten Vorstellung erhielt die Souffleuse Toni Gottmeier für Ihr 40. Stück
aus den Händen des Vorsitzenden Werner Fischer eine Ehrung. Von
den Einnahmen soll ein Betrag für den Kinderspielplatz in Kürn gespendet
werden. Daniel Liebl, Elisabeth Zitzelsberger, Peter Scheubeck, Eva
Gottmeier |